Können Roboter unsere Freunde sein?

Roboter und Menschen interagieren schon seit langem miteinander. Aber wie sieht die Zukunft der Gesellschaft aus – können Roboter unsere Freunde werden?

Wir wachen mit einem digitalen Wecker auf und fragen den/die SprachassistentIn unseres Telefons nach dem Wetter. Viele von uns kaufen ein und planen ihre Urlaube online. Wir verlassen uns in hohem Maße auf die Technologie; ein Leben ohne sie ist kaum noch vorstellbar. Mit dem Aufkommen von künstlicher Intelligenz sind die Interaktionen zwischen Menschen und Technologie noch weiter verbessert worden. Aber am spannendsten und noch viel zu wenig betrachtet: Was sind eigentlich die Auswirkungen von Robotern und K.I. auf die menschliche Psyche? (Rabang, 2019)

Was ist überhaupt eine Freundschaft?

„Wahre Freundschaft“ geht bereits auf die Antike, genauer gesagt, Aristoteles zurück. Der griechische Philosoph beschreibt die Freundschaft als die optimale Form der Beziehung, in der sich die Beteiligten gegenseitig schätzen und Wohltaten leisten (Aristoteles, 1837) Im 21. Jahrhundert kann man den Standpunkt Aristoteles durchaus schon verlassen und „moderne“ Freundschaft definieren. Online-Freundschaften oder die Zuneigung, die wir unseren Staubsaugerrobotern schenken, sind heutzutage ganz normal. Aber eines bleibt gleich: Bei jeder Art von Beziehungen will sich der Mensch nahe fühlen - sucht nach einer Verbindung, strebt nach Vertrauen und Freundschaft. Nun soll auch K.I. genau dies gelingen: Freundschaften schließen!

Die Forschung läuft bereits!

Der Bereich der „Sozialrobotik“ beschäftigt sich mit genau diesem Thema. K.I. soll trainiert werden, den Umgang mit dem Gegenüber so intuitiv und vertraut wie möglich zu gestalten und eine Freundschaft mit einem Menschen zu imitieren. Dem Roboter werden menschliche Verhaltensmuster beigebracht, um eben dann auf das soziale Verhalten des/der NutzerIn entsprechend reagieren zu können (Rothenhäusler, 2018). Die Sozialrobotik wurde 2019 vom World Economic Forum auf Platz zwei der „Top 10 aufstrebenden Technologien“ gewählt (World Economic Forum, 2019). Und die Forschung in diesem Bereich läuft bereits auf Hochtouren. Obwohl die heutigen Roboter schon Stimmen, Gesichter, Sprachmuster und Gesten interpretieren können, gibt es immer noch viele Unbekannte. Die Herausforderungen dabei sind: Wie programmiert man Gefühle? Woher erkennt ein Roboter, was wir wollen? (Schadwinke, 2020)

Freunde mit gewissen Anschlüssen

Freundschaften zwischen Roboter und Mensch gibt es bereits heute! Die Sozialroboter „Pepper“ oder „Aido“ haben es schon in unseren Alltag geschafft. Unvorstellbar — dennoch wahr — sind sie in der Lage, menschliche Emotionen zu erkennen und soziale Interaktionen durchzuführen. Pepper ist laut Herstellern sogar der „world’s first personal robot with emotions“ - designt als „Roboter-Gefährte“ für Zuhause (Byford, 2014). Er wurde gemeinsam von der französischen Roboter- Firma Aldebaran Robotics SAS und dem japanischen Konzern SoftBank Mobile Corp. entwickelt. Der 1,20m große humanoide Roboter ahmt die typischen menschlichen Verhaltensweisen perfekt nach. Durch die Verwendung von Sensoren und der extra entwickelten Software analysiert Pepper Gesichtsausdrücke, Körperhaltung sowie Wortwahl und Stimmlage, um die emotionale Grundstimmung zu erkennen. Entsprechend der Analyseresultate reagiert er seinem Gegenüber. Die Software des Roboters soll laufend aus den menschlichen Interaktionen bestmöglich erlernen, wie er sich am gelungensten auf natürliche Weise verhalten kann. Die Erfahrungen werden in einen Cloud-Speicher hochgeladen, aus dem auch anderen Roboter lernen sollen. Das ist schon ein wahnsinnige fortgeschrittene Verwendung des maschinellen Lernens! Seit 2015 wird der Roboter Gefährte im B2B-Bereich verwendet. Pepper eignet sich toll im Einsatz im Servicesektor, im Gesundheitswesen und im Bildungsbereich. Ob Pepper bald auch in B2C-Bereich ein Freund mit gewissen Anschlüssen sein wird? Sowie Pepper bereits im Verkaufsbereich steht, so gibt es bereits seit den 2000er Jahren Sozialroboter für Zuhause. Sonys Aibo, ein kleine Maschinen-Hund begleitet den Haushalt als Menschenfreund schon seit rund 20 Jahren! (Ablavie Baldeh) Hier kann bewiesen werden, dass es durchaus möglich ist eine Beziehung zu einem Roboter aufzubauen — wenn nicht ganz sogar eine gewisse Freundschaft!

Hat eine Beziehung zu einer Maschine psychologische Auswirkungen?

Soziale Roboter sind darauf ausgerichtet , Beziehungen zu Menschen aufzubauen. Dennoch halten einige wie Sherry Turkle solche Beziehungen für verwerflich. Die US-amerikanische Soziologin und Professorin für Science, Technology and Society, sieht darin ein Problem, weil Intimität und Authentizität entscheidende Faktoren in einer Beziehung seien und Roboter lediglich „so tun, als ob“, sprich auf einer Täuschung basieren. Weder hätten sie ein Gefühl noch denken sie selbständig über etwas nach. Der „Robofreund“ könne zwar auf Behauptungen eingehen und Antworten geben, aber es fände keine Diskussion statt. Damit ginge die Echtheit des Gespräches verloren, da Empathie fehlt. Weil der Roboter diese Bedingungen nicht erfüllt, könne es daher keine Freundschaft zwischen den Zweien geben. Sie beschreibt dies als „psychologische Risiko des robotischen Moments“ (Turkle, 2012). Andere Bedenken gehen auch von einer Gruppe von UK-Forschern aus. Im Bereich der „Roboterethik“ ist man sich nicht einig, ob Freundschaft mit Robotern sein können. Sie sehen die Vermarktung von Robotern mit sozialen Fähigkeiten als unehrlich (Prescott, 2021).

ABBILDUNG 1) DAS MENSCHLICHE VERHALTEN UND DAS KINDLICHE AUSSEHEN FÜHREN ZU EINER STARKEN SOZIALEN AKZEPTANZ VON PEPPER

ABBILDUNG 2) AIBO WIRD BEREITS SEIT 19999 VERKAUFT

Auf der anderen Seite geben uns Roboter doch genau das was wir brauchen: Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr zum Zuhören. Sie geben „Freundschaft“, ohne etwas zurückzuverlangen. Ob es merkwürdig sei sich mit einer künstlichen Intelligenz zu unterhalten? Nein – Menschen sind dazu in der Lage, etwas für Tiere, Pflanzen und Gegenstände zu empfinden und diese Art von emotionalen Bindungen sind bereits geknüpft! Die bisherigen psychologischen Erkenntnisse machen deutlich, dass wir durchaus Freundschaften zu Robotern aufbauen können, selbst wenn wir wissen, dass sie „nur“ vorprogrammiert sind (Prescott, 2021).

Die Gesellschaft der Zukunft

Mittlerweile begleiten uns K.I. und Roboter in einem immer größeren Teil unseres Lebens. Und sie werden auch noch immer schlauer und menschen-ähnlicher. Die nächste oder übernächste Generation wird womöglich schon mit Robotern als Spielgefährten aufwachsen und eventuell im Alter von ihrem künstlichen Freund gepflegt werden. Mit Sicherheit wird sich die Verbindung zwischen diesen zwei Welten über die nächsten Jahre intensivieren! Wann wir Roboter wirklich als Teil unseres Freundeskreises bezeichnen, ist also nur mehr eine Frage der Zeit!

Literaturverzeichnis

  • Ablavie Baldeh, D. B. (kein Datum). Mein-Roboterfreund.de. (Mein-Roboterfreund.de, Herausgeber) Abgerufen am 26. Februar 2022 von Sony Aibo – Rückkehr einer Legende: https://meinroboterfreund.de/sony-aibo/ Aristoteles. (1837).

  • Aristoteles - Nikomanische Ethik. Abgerufen am 26. Februar 2022

  • Byford, S. (5. Juni 2014). SoftBank announces emotional robots to staff its stores and watch your baby. (VoxMedia, Hrsg.) The Verge. Abgerufen am 24. Feburar 2022 von https://www.theverge.com/2014/6/5/5781628/softbank-announces-pepper-robot

  • Prescott, T. (15. Februar 2021). Will robots make good friends? Scientists are already starting to find out. (T. Converation, Hrsg.) The Conversation. Abgerufen am 27. Februar 2022 von https://theconversation.com/will-robots-make-good-friends-scientists-are-already-startingto-find-out-154034

  • Probo Robotics GmbH. (kein Datum). Probo Robotics GmbH. HUMAN ROBOTICS IN BUSINESS. Leibnitz. Abgerufen am 24. Februar 2022 von https://www.probo-robotics.at/

  • Rabang, I. (20. Dezember 2019). Robots as Friends: The Dawn of New Human and AI Interaction. (B. Business, Hrsg.) Bold Business. Abgerufen am 27. Februar 2022 von https://www.boldbusiness.com/bold-opinions/robots-as-friends/

  • Rothenhäusler, A. (23. November 2018). Technik und Selbst: "Können Roboter unsere Freunde sein?". Zurück in die Arbeitswelten der Zukunft. (K. I. (KIT), Hrsg., & K. I. (KIT), Redakteur) Deutschland, Karlsruhe. Abgerufen am 22. Februar 2022 von https://www.arbeitszukunft.de/technik-und-selbst-koennen-roboter-unsere-freundesein/#_ftnref21

  • Schadwinke, A. (März 2020). Können Roboter unsere Freunde sein? (Z. Online, Hrsg.) Zeit Online(3. Ausgabe). Abgerufen am 24. Februar 2022 von https://leo.zeitverlag.de/zeit-leomagazin/koennen-roboter-unsere-freundewerden.html#:~:text=Zwar%20k%C3%B6nnen%20wir%20Roboter%20jetzt,aber%20das%20is t%20nicht%20dasselbe.&text=Deswegen%20ist%20es%20wichtig%2C%20dass,am%20Karlsru her%20Institut%20f%C3%BC

  • Turkle, S. (2012). Alone Together: Why We Expect More from Technology and Less from Each Other (1. Edition Ausg.). (B. Books, Hrsg.) New York. Abgerufen am 24. Februar 2022

  • Wikipedia. (6. September 2021). Pepper (Roboter). (Wikipedia, Hrsg.) Abgerufen am 24. Februar 2022 von https://de.wikipedia.org/wiki/Pepper_(Roboter)

  • World Economic Forum. (2. Juli 2019). These are the top 10 emerging technologies of 2019. (2019). (W. E. Forum, Hrsg.) Annual Meeting of the New Champions. Abgerufen am 22. Februar 2022 von https://www.weforum.org/agenda/2019/07/these-are-the-top-10-emergingtechnologies-of-2019/

Christina Toth

Studentin Data Science an der FH St. Pölten

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